FEMUSICA / FRAUEN UM MOZART

"... zum Entzücken ...!"

Das Ensemble FEMUSICA hat sich zum Ziel gesetzt, „vergessene“ Komponistinnen wieder ins Konzertgeschehen einzugliedern. Neben Konzerten entstand auch eine erste CD, „Frauen um Mozart“ mit Werken von Komponistinnen der Mozartzeit.

Von Gottfried Franz Kasparek

Die Geigerin Monika Kammerlander, Konzertmeisterin des Mozarteum Orchesters, die Pianistin Naoko Knopp, die Sopranistin Léla Wiche und die Cellistin Yvonne Timoianu haben sich zum Ensemble FEMUSICA zusammengefunden. "... zum Entzücken...!" fand Mozart das Spiel seiner komponierenden Schülerin und Duopartnerin Josepha von Auernhammer - und so ist auch der Titel einer Konzertreihe und der neuen CD.

Musik von Frauen - das ist auch heute, da Komponistinnen wie Adriana Hölszky, Sofia Gubaidulina oder Olga Neuwirth häufig in Konzerten mit Neuer Musik vertreten sind, immer noch eine Ausnahme in konventionellen Programmen. FEMUSICA füllt diese Lücke auch mit einer informativen CD. Eingerahmt wird das Damenprogramm darauf übrigens mit frischen Interpretationen der Londoner Sonaten KV 12 und KV 13 von Mozart, die immer als frühe Violinsonaten bezeichnet werden, eigentlich aber noch dem Generalbass-Zeitalter angehören und für Cembalo, Violine und Cello gesetzt sind. Wobei das Cello mitunter schon recht hörbar mit der Emanzipation liebäugelt.

Dem Cello ist die Emanzipation im Laufe des 18. Jahrhunderts gelungen, die komponierenden Frauen schafften es erst gute zwei Jahrhunderte später. Die Komponistinnen um Mozart entstammten allesamt den höheren Gesellschaftsschichten und oft aus Musikerfamilien. Da war die Chance etwas größer, über die Kinderstube hinaus wahrgenommen zu werden. Mozart beurteilte sie mit Sachkenntnis und ohne die damals üblichen Vorurteile gegenüber musizierenden Damen.

Die hauptberufliche Sängerin Margarethe Danzi (1768-1800), Schülerin von Leopold Mozart, gefeierte Primadonna in München, ist mit einer ausnehmend hübschen Violinsonate, die den Jugendwerken Mozarts keineswegs nachsteht, auf der CD vertreten. Helene Liebmann, geboren 1795, wahrscheinlich um 1835 gestorben, gehört schon der Generation nach Mozarts Tod an, zitiert aber in ihrer schönen frühromantischen Cellosonate das damals bereits überaus populäre Duett Don Giovanni-Zerline. "Reich mir die Hand, mein Leben": Das hätte das schon - glaubwürdigen Gerüchten zufolge - erwähnte "freulle" Auernhammer (1759-1820) sehr gerne zu Mozart gesagt. Aber leider hat sie ihm nicht so gut gefallen wie ihr "entzückendes" Klavierspiel. Die Wienerin war eine der ersten anerkannten Berufsmusikerinnen und eine mehr als nur achtbar komponierende Virtuosin, wie die eingespielten Variationen über ein ungarisches Thema beweisen.

Ebenfalls Wienerin war die blinde Pianistin und Musiklehrerin Maria Theresia von Paradis (1759-1824), eine Pionierin des geregelten Mädchen-Unterrichts. Ihr glückte mit der Sicilienne ein echter "Schlager", der vom Kreisler-Schüler Dushkin im Arrangement für Geige und Klavier im 20. Jahrhundert popularisiert wurde. Ihre Lieder verblüffen mit leisen Schubert-Vorahnungen. Franziska Lebrun, geb. Danzi aus der Mannheimer Musikerfamilie (und die Schwägerin der Margarethe) teilt mit Mozart die Lebensdaten und ist mit einer kleinen feinen Violinsonate vertreten, die wohlhabende Wiener Metastasio-Schülerin Marianne Martinez (1744-1812) mit einer spätbarocken Bravourarie.

Nicht, dass jetzt die Musikgeschichte neu zu schreiben wäre. Aber mit den "Kleinmeistern" à la Michael Haydn oder Franz Danzi können die "Frauen um Mozart" sehr wohl mithalten und sollten aus deren Schatten geholt werden. Zumal, wenn ihre Musik mit so viel liebevollem Engagement, Können und Freude am Detail gespielt und gesungen wird wie auf dieser neuen CD vom Ensemble FEMUSICA.

Die CD "FEMUSICA – Frauen um Mozart"  ist bei den Konzerten, unter femusica@knoppkunst.at sowie unter www.femusica.at erhältlich.