Konzert-Kritiken:

SCHLOSS MIRABELL / "FRAUEN UM MOZART"

Von Frauen und ihren tollen Noten

Der Begriff "Genie" war zu Mozarts Zeiten dem männlichen Geschlecht vorbehalten. Dass viele Frauen ihn dennoch verdient hätten, bewies ein Kammermusik- und Chorkonzert am Freitag (1.12.) im Schloss Mirabell.

Von VRONI Engstfeld

3/12/06 Von der Musikpresse in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gefeiert, von Mozart geschätzt, als Primadonnen umjubelt, als reisende Musikerinnen kritisiert und heute fast vergessen: Josepha von Auernhammer, Franziska Le Brun, Maria Theresia von Paradis, Helene Liebmann oder Maria Rosa Coccia - sie stehen für Frauen, deren Kreativität und Können allzu lange in der Musikwissenschaft vernachlässigt wurden.

Die lebhafte Sonate für Klavier und Violine von Franziska Le Brun (1756-1791) stimmt das Publikum an diesem Nachmittag auf überraschende Kompositionen und Ohrwürmer ein. Von Mannheim, der Geburtsstadt Franziska Le Bruns, ging die musikalische Reise weiter nach Wien. Die herausragende Sopranistin Léla Wiche stellte mit der Arie "Se per tutti" eine der angesehensten Musikerinnen der damaligen Zeit vor, Marianne Martinez (1744-1812). Für ihr außergewöhnliches Talent wurde sie schon zu Mozarts Zeiten mit Mitgliedschaften in den Musikerakademien Bolognas und Wiens geehrt.

Der Name Naoko Knopp könnte von der Liste von Mozarts Schülerinnen kommen, für die Interpretation der "Variationen über ein ungarisches Thema" wäre der gebürtigen Japanerin das Lob des Lehrers von Josepha von Auernhammer (1759-1820) jedenfalls sicher gewesen. Fliegende Hände und spielerische Melodien ließen Anfang der Adventszeit einen frischen Sommerwind durch die barocken Hallen des Schlosses wehen. Als Pianistin reiht sich Naoko Knopp an diesem Abend mühelos in die Reihe der erfolgreichen Virtuosinnen ein, ob im Zusammenspiel mit Monika Kammerlander (Violine) oder Yvonne Timoianu (Cello).

Besonders beeindruckend ist der große kompositorische Nachlass von Maria Theresia von Paradis (1759-1824). Unterrichtet wurde sie unter anderem von Antonio Salieri, mit 11 Jahren brach sie bereits in die Männerdomäne der Orgelmusik ein - und das, obwohl sie seit ihrem vierten Lebensjahr nahezu blind war.